Renten ohne Risiko

Schweizer Pensionskassen pumpen weiterhin Milliarden in die Kohle-, Erdöl- und Erdgasindustrie.

Jessica Kind

Nov. 4, 2016


Das steht im Widerspruch zum Pariser Klimaabkommen, das am Freitag 4. November in Kraft trat. Mit der Kampagne «Renten ohne Risiko» fordert die KlimaAllianz Schweiz von den Pensionskassen innerhalb von fünf Jahren Anlagen ihre fossile Energieunternehmen abstösst. 

Investitionen in fossile Energie sind nicht nur ein Risiko für das Klima, sondern auch für die Sicherheit der Altersvorsorge. Der grösste Hebel, mit dem die Schweiz einen Einfluss auf das globale Klima nehmen kann, ist das Geld. Denn Schweizer Ersparnisse tragen dazu bei, die Erde weiter aufzuheizen. Die Schweizerinnen und Schweizer haben den Pensionskassen rund 767 Milliarden Franken anvertraut.

Die Kampagne «Renten ohne Risiko» hilft den Versicherten, sich direkt an ihre Pensionskasse zu wenden. Auf der Website www.renten-ohne-risiko.ch sind alle Kontaktangaben Schweizerischer Pensionskassen hinterlegt, um eine persönliche E-Mail an die eigene Vorsorgeeinrichtung zu schicken. Mit dem "call to action" sind drei Forderungen verknüpft: 1.) Die Pensionskassen sollen von Unternehmen mit hohem Treibhausgasausstoss ein mit dem Pariser Klimaabkommen kompatibles Lobbying verlangen. 2.) Sie sollen zudem mit ihren Stimmrechten eine Geschäftspolitik einfordern, die das Abkommen respektiert. 3.) Pensionskassen sollen Kohle-, Erdöl- und Erdgasunternehmen, welche die Forderungen nicht erfüllen, innert fünf Jahren desinvestieren.

Hintergrund

Die Investitionen von Pensionskassen laufen nicht nur den globalen und den nationalen Klimazielen entgegen. Sie sind auch ökonomisch gefährlich. Es ist unbestritten, dass die in Paris beschlossenen Klimapolitik nur umgesetzt werden kann, wenn der grösste Teil der Reserven an fossilen Brennstoffen im Boden bleibt und nicht verbrannt wird. Diese Reserven aber bilden das Kapital der globalen Konzerne, welche fossile Reserven in ihren Bilanzen ausweisen oder deren Geschäftsmodell darauf basiert.

Wenn sie die fossilen Reserven nicht verwenden dürfen, schrumpft ihr Kapitalwert dramatisch. Darum sind viele Energiekonzerne gemessen an den globalen Klimazielen stark überbewertet. Man spricht von einer Kohlenstoffblase («carbon bubble»).

Mit jedem weiteren Franken, der in Öl-, Gas- und Kohlefirmen investiert wird, wächst diese Blase genauso wie das potenzielle Klimaproblem. Das Ziel, die Erwärmung auf 2°C bzw. möglichst auf 1.5°C zu begrenzen, steht in diametralem Widerspruch zum Geschäftsmodell der fossilen Grosskonzerne wie ExxonMobile, Shell, BP und Glencore. Wenn die Regierungen wie die Schweiz ihre Ziele durchsetzen, dann werden die Aktienpreise dieser Unternehmen tief fallen und das Ersparte von Schweizerinnen und Schweizern gefährden.

Wegen der Risiken haben sich erste Schweizer Pensionskassen entschieden zu desinvestieren. Die Pensionskasse des Bundes PUBLICA, mit einem Anlagevolumen von CHF 36.6 Milliarden die grösste Pensionskasse der Schweiz, schliesst seit Februar 2016 Unternehmen aus, die auf die Produktion von Kohle spezialisiert sind. Die Stiftung Abendrot mit einem Anlagevolumen von CHF 1.5 Milliarden schliesst fossile Energie und insbesondere die Carbon Underground 200 aus. Die Pensionskasse NEST mit einem Anlagevolumen von CHF 2.1 Milliarden investiert seit Jahren ohne Anlagen in fossile Energie.

Video Renten ohne Risiko der KlimaAllianz Schweiz

Weitere Informationen:

Christian Lüthi, Geschäftsleiter Klima-Allianz Schweiz, 076 580 44 99
Patricia Letemplé, Leiterin Kommunikation «Renten ohne Risiko», 078 808 91 28

fossil-free.ch ist stolz!

Wir von fossil-free.ch sind froh und stolz, dass unser Online-Petitions-Tool von der KlimaAllianz Schweiz für eine eigene Kampagne genutzt wird.