USA-Finanzanlagen der Schweizer Nationalbank in fossile Unternehmen: Ein Desaster für Rendite und Klima

Klimasünder Schweizer Nationalbank? Mit einem Zehntel ihres Vermögens ist die Schweizer Nationalbank mitverantwortlich für so viel CO2, wie die ganze Schweiz insgesamt ausstösst.

Markus Keller

Dez. 15, 2016


Aktueller könnte die heute veröffentlichte Schweizer Studie USA-Finanzanlagen der Schweizer Nationalbank in fossile Unternehmen: Ein Desaster für Rendite und Klima nicht sein, gab doch am 12. Dezember das Beratungsunternehmen Arabella Advisers im Global Divestment Report 2016 die neusten Zahlen zu Divestment / Desinvestitionen aus fossilen Brennstoffen bekannt, welche inzwischen auf erfreuliche 5000 Milliarden fossil bereinigte Anlagevolumen gestiegen sind.

Mit etwa 9.5% ihres Vermögens, nämlich 61,5 Milliarden US Dollar, die an der US-Börse angelegt sind, ist die Schweizer Nationalbank mitverantwortlich für so viel CO2 wie die ganze Schweiz insgesamt ausstösst. Sie begünstigt mit ihrer Anlagestrategie ein Klima-Szenario von +4°C bis +6°C und liegt weitab vom Ziel des Pariser Abkommens, welches die Erwärmung auf 1.5°C, zumindest aber weit unter 2°C begrenzen will. Statt solide Renditen zu erzielen, hat sie zudem mit ihren Anlagen in fossile Unternehmen in den USA in drei Jahren 4 Milliarden Dollar verloren resp. nicht realisiert und damit schlechter abgeschlossen als mit einem vergleichbaren Anlageportfolio ohne fossile Investitionen. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse der im Auftrag der Artisans de la transition von der South Pole Group durchgeführten und in der deutschen Version durch fossil-free.ch mitveröffentlichten Studie.

Offiziell verfolgt die Nationalbank eine “neutrale” oder “passive” Anlagestrategie und strebt damit durchschnittliche Renditen an. Der heute durch die Artisans de la transition und fossil-free.ch publizierte Bericht zeigt jedoch, dass die Anlagestrategie -zumindest dem Klimawandel gegenüber - weder neutral noch passiv ist, sondern das Klima auf’s Spiel setzt. Alle 2535 Titel im USA-Portfolio der Nationalbank wurden durch die South Pole Group auf deren CO2-Emissionen untersucht und der Verlauf ihres Wertes vom 1. Januar 2013 bis 31. Dezember 2015 ermittelt.

Der Bericht zielt nicht auf eine Stigmatisierung der Nationalbank, sondern will die Aufmerksamkeit der Investoren und der Öffentlichkeit auf die Kohlenstoff-Blase richten und darauf, wie der Finanzplatz Schweiz deren Risiken für Rendite und Klima ignoriert. Deshalb fordern fossil-free.ch und die Artisans de la transition Bundesrat und Parlament auf, von der Nationalbank bezüglich Klimawandel eine ökologischere und klimafreundlichere Anlagepolitik zu verlangen. So wie diese heute praktiziert wird, missachtet sie offensichtlich das im Nationalbankgesetz vorgegebene Gesamtinteresse des Landes. Diese Politik steht zudem in einem grossen Widerspruch zum Ziel des Bundesrates, die CO2-Emissionen der Schweiz durch Projekte im Ausland um 20% zu reduzieren.

fossil-free.ch und die Artisans de la transition fordern alle Vermögensverwalter und insbesondere die Anlage-Verantwortlichen der Pensionskassen auf, ihre Exposition in fossile Unternehmen und die entsprechende Vermögens-Entwicklung zu ermitteln und die notwendigen Anpassungen vorzunehmen. Wie das Beispiel der Nationalbank zeigt, sind Verluste bzw. nicht realisierte Gewinne bereits erheblich. In erster Linie sollte eine Desinvestition aus den sogenannten Carbon Underground 200 (CU200) erfolgen, den 200 am stärksten fossil ausgerichteten Unternehmen, bei denen die Wahrscheinlichkeit auf eine Änderung und Neuausrichtung der Geschäftstätigkeit nicht existent oder minimal sind. Es muss eine Wende stattfinden hin zu Finanzdienstleistungen, die das Anlagen-Portfolio analysieren, um dieses anschliessend mit den Zielen des Pariser Abkommen vereinbar zu machen.

South Pole Group

2006 gegründetes Beratungs-Unternehmen mit einer Leidenschaft für unseren Planeten, das für seine  Kunden des privaten und öffentlichen Sektors in mehr als 20 Ländern nachhaltige Lösungen entwickelt und verwirklicht. Seine Unternehmensphilosophie zielt darauf, aufzuzeigen, wie Unternehmen, Organisationen und Institutionen diese Lösungen umsetzen können. Am Hauptsitz in Zürich und in 16 Niederlassungen weltweit beschäftigt die South Pole Group 130 Klima- und Finanzspezialisten aus mehr als 20 Ländern.
www.thesouthpolegroup.com

Artisans de la transition

Gegrüendet im März 2016, strebt der Verein Artisans de la transition die Förderung von Möglichkeiten an, damit jedermann zum Akteur eines raschen Ausstiegs aus fossilen Energien und für einen ökologischen Wandel werden kann. Die Artisans handeln auf drei Ebenen: a) möglichst viele Menschen für Projekte der Bürgerenergie (besonders Energiegenossenschaften) und für das Divestment aus den fossilen Energie mobilisieren, b) mittels der halbjährlich erscheinenden Zeitschrift LaRevueDurable und mit Newslettern informieren, und c) darauf hinwirken, dass das persönliche Handeln mit den persönlichen Werten im Einklang ist. Die Gründung der Artisans de la transition ist die logische Folge der Recherchen, Analysen, Vorschläge und teilweise sehr erfolgreichen Aktionen der LaRevueDurable. 
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