Politische Vorstösse in der Schweiz

In der Schweiz erfolgten seit 2014 auf nationaler und kantonaler Ebene zahlreiche politische Vorstösse, die Divestment respektive Divestment-Forderungen zum Thema hatten. Das Divestment-Manual gibt einen Überblick und soll weitere Vorstösse auf Ebene Gemeinde, Kanton und Bund vereinfachen. Er wird von fossil-free.ch laufend ergänzt und auf den neusten Stand gebracht.

Deutschschweiz

  • Motionen und Interpellationen auf nationaler Ebene
  • Kanton Basel Stadt
  • Kanton Bern
  • Stadt Bern
  • Kanton Schaffhausen
  • Stadt St. Gallen
  • Kanton Zürich
  • Stadt Zürich

Westschweiz

  • Canton de Fribourg
  • Canton de Genèva
  • Ville de Genève
  • Canton du Jura
  • Canton de vaud
  • Ville de Lausanne

 

 

Divestment Manual

Das Divestment Manual für die Schweiz soll Parteien, Organisationen, lokalen Gruppen und Einzelpersonen helfen, mit vertretbarem Aufwand ihre Pensionskassen, Versicherungen, Stiftungen, Kirchen, Kantone und Städte zum Divestment, also zum Abstossen von unethischen Geldanlagen,  auszufordern. Das gesamte Dokument steht hier zum Download zur Verfügung. Viel Spass beim lesen. 

Divestment Manual von fossil-free.ch (3,5 MB)

 

Klimawandel und Divestment

Die Berichte des Weltklimarats IPCC sprechen eine deutliche Sprache. Wenn wir den Klimawandel auf 1.5 bis maximal 2º Celsius begrenzen wollen, wie dies das Pariser Klimaabkommen verlangt, darf der Großteil (75-80%) der fossilen Energiereserven wie Kohle, Öl und Gas nicht mehr verbrannt werden. Alles andere würde eine Destabilisierung des Klimas mit katastrophalen Folgen für Mensch und Natur nach sich ziehen.

Divestment in der Schweiz

Im März 2014 machten die Nationalräte Bastien Girod, Susanne Leutenegger, Barbara Gysi und Beat Jans mit verschiedenen Interpellationen und Motionen auf die finanz- und klimapolitische Dimension von Schweizer Investitionen in fossile Unternehmen im Ausland aufmerksam.

Das Bundesamt für Umwelt BAFU reagierte im September 2015 mit der Veröffentlichung des Berichts “Kohlestoffrisiken für den Finanzplatz Schweiz”. Dieser untersuchte Investitionen im Umfang von rund 280 Mrd. Schweizer Franken, was 80% des gesamten Aktienfondsmarkts in der Schweiz entspricht. Zusätzlich wurden Aktien-Ausland-Mandate in der Höhe von 33.2 Mrd. CHF von 11 der 25 grössten Pensionskassen analysiert. Der Bericht hält fest, dass der Finanzplatz Schweiz mit seinen Investitionen in die globalen Finanzmärkte ein globales Klimawandelszenario von 4 bis 6 Grad Celsius unterstützt. Der Schweizer Aktienfondsmarkt finanziert indirekt Emissionen von gut 52,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten im Ausland. Dies entspricht etwa dem Schweizer Ausstoss im Jahr 2013. Allein die Schweizer Pensionskassen binden mit ihren im Ausland gehaltenen Aktienanlagen 25.1 Millionen Tonnen Kohlenstoffäquivalente. Eine Orientierung an den MSCI ex Fossil Fuels Indexes wird ein vollständiges Divestment erreicht. Durch eine Orientierung an treibhausgasarmen Indizes wie dem MSCI Low Carbon Index würde die indirekte Treibhausgaswirkung bei ähnlichem Anlagerisikoprofil um zwei Drittel gesenkt. Als erste Schweizer Pensionskasse gab die Publica im Juni 2016 ein Divestment von direkten Kohleinvestitionen in der Höhe von rund 11 Millionen Franken bekannt.

Divestment-Strategien und Sicherung der Nachhaltigkeit von Investments

Divestment kann sowohl vollständig als auch in verschiedenen Etappen und Umfang vorgenommen werden. Besonders effizient und öffentlichkeitswirksam ist das vollständige Divestment aus allen Finanzanlagen in die Kohle-, Erdöl- und Erdgasindustrie. Teilweise gehen Investoren schrittweise vor, indem sie beispielsweise zuerst Investitionen aus der besonders klimaschädlichen und finanziell risikoreichen Kohleindustrie abziehen und in einer späteren Phase weitere Divestment-Schritte vornehmen.

Es liegen z.B. mit den Empfehlungen der erwähnten BAFU-Studie recht einfach umsetzbare Handlungswege offen. Durch eine Orientierung an Indizes – wie etwa die “MSCI Global Ex Fossil Fuels Indexes” – können auch kleinere institutionelle Anleger fossile Brennstoff-Förderer kostengünstig ausschliessen bei ähnlichem Risikoprofil (Renten ohne Risiko Report).

Die BAFU-Studie bekräftigt, dass für sicherheitsorientierte Finanzakteure, die den Kohlenstoffrisiken auf lange Sicht ausweichen sollten, ein Ausstieg ohne grössere Folgen in Bezug auf kurz- und mittelfristiges Risiko und Diversifikation möglich wäre. Das ständig wachsende Angebot an klimafreundlicheren Investitionsmöglichkeiten für ihr Portfolio, auch für passive Investmentstrategien, zeigt Alternativen auf.

Besonders die grossen und mittleren Investoren des öffentlichen Sektors (z.B. Pensionskassen) mit aktiver Anlagepolitik haben gute Möglichkeiten des gezielten Eingriffes und der Einflussnahme. Sie haben als Wegweiser eine gesellschaftliche und ethische Verpflichtung zur Weitsicht. Aber auch kleinere Pensionskassen und andere institutionelle Anleger mit passiver Anlagepolitik haben etwa mit den „Fossil Fuel Free Indices“ die Möglichkeit zu desinvestieren  (Renten ohne Risiko Report).

Sinnvoll für Grossinvestoren ist zudem ein Beitritt zu Initiativen wie dem “Montréal Carbon Pledge”, dem “United Nations Global Compact” und/oder den “Principles on responsible Investment PRI”, dem “Swiss Sustainable Finance SSF” und dem “Schweizer Verein für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen SVVK”.

Divestment Schritte

Divestmentwillige Investoren unternehmen oft folgende Schritte:

  • 1. Präventiver Stopp von direkten und indirekten Investitionen in die Top 200 der fossilen Unternehmen
  • 2. Bewertung der problematischen, d.h. in Zusammenhang mit fossiler Förderung, Handel und Verkauf stehenden direkten und indirekten Anlagen in Bezug auf deren Klimaschädlichkeit anhand von Carbon Footprint (absolut), Carbon Intensity (relativ zu Produktion, Marktwert oder Umsatz), Climate Value-at-Risk oder Klimascores mit qualitativen Kriterien
  • 3. Überprüfung der Anlagen mit allenfalls vorhandenen Leitbildern und Corporate Responsability Vorgaben respektive den PRI-ESG-Prinzipien (Ecological, Social and Governance = Grundsätze für verantwortungsbewusstes Wertpapiermanagement in Bezug auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung)
  • 4. Entscheidfindung: a) Divestment aus Kohle, b) Divestment aufgrund der eigenen Bewertung in Bezug auf Klimaschädlichkeit und Wertzerfallrisiko c) Divestment der Top 200/50/2013 fossilen Unternehmen
  • 5. Kommunikation des Divestments
  • 6. Im Idealfall Reinvestment nach ethischen und nachhaltigen PRI-ESG-Prinzipien, bezüglich Klimaschutz und Energiewende idealerweise mit einem Anteil an Unternehmen der erneuerbaren Energien und deren Infrastruktur

Divestment-Forderungen von fossil-free.ch

Innert 5 Jahren sind die in Unternehmen der fossilen Energiebranchen (Kohle-, Erdöl- und Erdgas-Exploration, -Förderung und -Handel und deren Energieproduktion) angelegten Gelder zu desinvestieren, mit Ausnahme derjenigen, die in diesem Zeitraum ihren Business-Plan und ihr Lobbying auf die Ziele des Welt-Klimaabkommens, d.h. die globale Erwärmung auf 1.5 °C respektive deutlich unter 2°C zu begrenzen, ausgerichtet haben.

Die Absicht respektive der Entscheid zur Desinvestition ist öffentlich zu machen.

Der Investoren-Einfluss wird mit Einschluss der Stimmrechte so ausgeübt, dass bei allen investierten Unternehmen innert 2 Jahren mit dem Welt-Klimaabkommen kompatible Transitionspläne erwirkt werden sollen.

Fondsverwalter sind so zu instruieren, dass sie ihren Einfluss mit Einschluss der Stimmrechte so ausüben, dass sie verbindliche Zusagen von allen Unternehmen verlangen, in die sie investieren:

  • 1. Audits darüber durchzuführen, wie diese ihren Einfluss in der politischen Debatte ausüben und ob diese mit den Zielen des Pariser Abkommens kompatibel sind
  • 2. so schnell wie möglich, aber maximal innerhalb von 2 Jahren alle Lobbying-Aktivitäten einzustellen, die den Zielen des Welt-Klimaabkommens entgegenlaufen